27.12.2020
Frauen Profis

Auftakteuphorie und Lernprozesse

Pflichtspielpremiere im Deutsche Bank Park, Kantersieg im DFB-Pokal und Laura Freigang, die nach Belieben trifft: Ein halbes Jahr seit der Fusion zwischen Eintracht und FFC ist vergangen. Wir blicken zurück.

Ein wenig richtungsweisend war der Ort des Trainingsauftakts zum ersten offiziellen Fußballtraining als Frauenmannschaft der SGE nach der Fusion am 25. Juli schon, auch wenn dies das Team von Cheftrainer Niko Arnautis noch nicht ahnen konnte. Denn der Deutsch-Grieche hatte seine „Neu“-Adlerträgerinnen, von denen viele weniger als einen Monat zuvor noch in FFC-Trikots auf dem Platz standen, im Schatten des Deutsche Bank Parks die ersten Übungen in Eintracht-Kleidung absolvieren lassen.

Nach dem Trainingslager im mittelhessischen Grünberg stand Anfang September die Pflichtspiel-Premiere in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga an, der Aufsteiger SV Werder Bremen gastierte im Main. Eigentlich sollte das Debüt unter dem Adler-Dach im heimischen Stadion am Brentanobad stattfinden, doch der Spielort konnte kurzfristig in den Deutsche Bank Park gewechselt werden. Auch wenn coronabedingt nur 250 Zuschauer vor Ort sein konnten, hemmte die ungewohnte Kulisse in dem imposanten Stadion das Team keineswegs, sondern beflügelte die Adlerträgerinnen. Der 5:1-Sieg war ein Auftakt nach Maß! Es folgte auswärts ein 3:1 bei der SGS Essen, ein 0:0 im Stadion am Brentanobad gegen starke Hoffenheimerinnen sowie ein 4:0-Erfolg gegen den Aufsteiger SV Meppen, bei dem die 17-jährige Bundesliga-Debütantin Camilla Küver nach zwei Ballberührungen traf. Zehn Punkte aus den ersten vier Partien – besser konnte es kaum laufen.

Elf Treffer in zwölf Spielen

Oft im Fokus stand Laura Freigang, die erste Adlerträgerin überhaupt auf dem Titel des im Jahr 2017 aus der Taufe gehobenen Klubmagazins. Kein Wunder, bei ihrer Torquote. Noch als FFC-Spielerin hatte sie im März für die deutsche Nationalmannschaft debütiert, im September gab es das erste Tor gegen Montenegro im DFB-Trikot, dem ein Dreierpack Ende November gegen Griechenland folgte. Und auch in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga steht die Stürmerin mit elf Treffern nach zwölf Ligaspielen auf Rang zwei der Torjägerinnenliste, nur die Hoffenheimer Stürmerin Nicole Billa traf noch häufiger. Die 21-jährige Laura Freigang war es auch, die nach dem Erfolg in Meppen einen Punkt gegen starke Bayer-Frauen aus Leverkusen per Elfmeter sicherte.
 

Doch es lief nicht mehr alles so rund auf dem Platz, einige verletzte und angeschlagene Spielerinnen fehlten der Mannschaft. Und zumindest in der Liga wurde es kein Goldener Oktober für die sympathischen Frankfurterinnen. Nach dem 2:2 gegen Leverkusen folgte eine Ergebniskrise mit einer unnötigen Niederlage beim SC Sand (2:3) und einer 0:1-Niederlage gegen den SC Freiburg, bei dem es Freigang unglücklicherweise verpasste, den verdienten Ausgleich in der Nachspielzeit per Elfmeter zu erzielen. Nur im DFB-Pokal präsentierte sich die SGE in Torlaune: Beim 8:0 in der 2. Hauptrunde gegen den Regionalligisten Karlsruher SC trugen sich neben Freigang auch Géraldine Reuteler, Kapitänin Tanja Pawollek und Shekiera Martinez in die Torschützinnenliste ein. Auch in der nächsten Liga-Begegnung beim MSV Duisburg wurde die Mannschaft beim 3:0 ihrer Favoritinnenrolle gerecht, bevor zuletzt drei Niederlagen gegen den Rivalen Turbine Potsdam (0:1), Serienmeister VfL Wolfsburg (0:3) und dem verlustpunktfrei durch die erste Saisonhälfte marschierten FC Bayern München (0:1) die Mannschaft in der Tabelle zurückwarfen. Zu welcher Leistung das Team in der Lage ist, zeigte der versönliche Rückrunden-Auftakt und Jahresabschluss, als die Adlerträgerinnen dem SV Werder Bremen beim 5:0-Kantersieg im Norden keine Chance ließen und nun auf Rang sechs der Tabelle mit 17 Zählern überwintern. „Das Ergebnis geht in der Höhe in Ordnun“, sagt SGE-Coach Niko Arnautis: „Ich bin stolz auf die Mannschaft, es überwiegt  erstmal die Freude, aber genau da wollen wir für die Rückrunde ansetzen. Wir werden hart arbeiten und eine bessere Rückrunde spielen!“

Auch wenn wir nach Niederlagen enttäuscht sind, sind das Prozesse, die dazu gehören, wenn man sich entwickeln will.

Niko Arnautis, Cheftrainer

Pokaltraum bleibt bestehen

Unzufrieden sollte man trotz der drei Niederlagen zum Ende der Hinrunde nicht sein. Denn im Fokus steht die stets von allen Verantwortlichen angeführte Weiterentwicklung des jungen, talentierten SGE-Teams, die man bereits sehen kann. „Für uns ist es wichtig, dass wir weiter an uns arbeiten, den Fußball zeigen, den wir spielen können. Wir wollen mutig und aggressiv auftreten und das Glück vielleicht auch mal erzwingen“, erklärt Trainer Niko Arnautis Trotz einiger ergebnistechnischer Rückschläge präsentiert die Mannschaft des SGE-Coachs erfrischenden Offensivfußball gepaart mit Kampfgeist und Moral. Niederlagen und Fehler gehören zum Lernprozess dazu. Beim 0:3 beim amtierenden Doublesieger aus Wolfsburg zeigten die Spielerinnen lange Zeit eine spannende Partie auf Augenhöhe, bei der man ohne das Traumtor des Gegners wohl mit einem 0:0 in die Pause gegangen wäre: „Auch wenn wir nach Niederlagen enttäuscht sind, sind das Prozesse, die dazu gehören, wenn man sich entwickeln will“, führt Arnautis aus. Dass es in der Mannschaft stimmt, bewies auch die konzentrierte und letztlich souveräne Leistung beim 4:0-Sieg im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Leipzig eine Woche vor dem Bayern-Spiel. Dadurch überwintert der deutsche Rekordpokalsieger im Wettbewerb und ist dem Wunsch, mal wieder ins Endspiel in Köln einzuziehen, einen Schritt nähergekommen. Die Eintracht-Fans dürfen gespannt sein auf die zweite Saisonhälfte der Premieren-Saison in der Adler-Familie – denn eines ist gewiss: Langweilig wird es bei den Adlerträgerinnen sicherlich nicht!

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