30.12.2021
Frauen Profis

Mental stark und selbstbewusst

In ihrem zweiten Jahr als Eintracht Frankfurt spielen die Bundesliga-Frauen trotz Pokalaus eine starke Hinserie – und stehen in der Tabelle weit oben.

So eng ging es schon lange nicht mehr zu in der oberen Tabellenhälfte der FLYERALARM Frauen-Bundesliga. Gleich drei Teams befinden sich auf Augenhöhe mit dem FC Bayern München und VfL Wolfsburg, die die vergangenen neun Meistertitel unter sich ausgemacht haben. Spannung pur. Einen ganz großen Anteil daran haben die Eintracht-Frauen, die zur Weihnachtspause inmitten dieses Quintetts stehen und insbesondere mit dem Sieg über die bis dato übermächtigen Bayern die Spitze zusammenhalten.

Das sah für das Team von Cheftrainer Niko Arnautis in der Vorsaison, der ersten Spielzeit unter dem Adlerdach, noch ganz anders aus. Damals beendete die SGE mit acht Zählern weniger auf dem Konto die erste Halbserie auf Rang sieben. Egal, welche Spielerin aus dem nahezu unveränderten Kader – mit Nicole Anyomi, Hannah Johann und Siri Worm kamen im Sommer drei Spielerinnen neu dazu – man fragt, der Tenor lautet: „Wir sind gewachsen, reifer geworden, spielen Erwachsenenfußball.“ Oder anders ausgedrückt: Es gibt keine Punktverluste gegen Teams aus der unteren Tabellenregion, bis zum vermeidbaren 0:1 in Bremen im Dezember.

Wir geben nie auf und machen immer weiter.

Cheftrainer Niko Arnautis

Mit Offensivfußball zum Sieg über den Deutschen Meister

Knappe und offene Begegnungen wie gegen die Mittelfeld-Teams Freiburg oder Leverkusen (je 1:0) wurden zudem gewonnen. Gegen den Vorjahreszweiten aus Wolfsburg war die Niederlage durch das späte Gegentor per Freistoß in der Nachspielzeit zum 2:3 ebenso unglücklich wie gegen den dritten deutschen Königsklassen-Teilnehmer Hoffenheim nach einem ganz starken Auftritt (1:2). Das 3:3 im Flutlichtspiel am Brentanobad gegen das fünfte Top-Fünf-Team Potsdam war im ersten Moment ob des späten Ausgleichs der Gäste eine Enttäuschung. Aber auch hier wusste die Eintracht zu überzeugen und ließ sich auch durch ein Gegentor nach 19 Sekunden nicht aus der Spur bringen.

Doch die Mannschaft bewies auch, die vermeintlich Großen nicht nur ärgern, sondern auch schlagen zu können. Aufhorchen ließ dort die Meisterleistung am sechsten Spieltag. Die Mannschaft von Trainer Niko Arnautis besiegte den bis dato ungeschlagenen amtierenden Deutschen Meister, den FC Bayern München, im heimischen Stadion am Brentanobad mit 3:2 – keineswegs glücklich. Mit technisch versiertem und temporeichem Offensivfußball verdienten sich die Frankfurterinnen ihre 1:0-Führung und hätten diese durchaus auch ausbauen können. Dass das Team nach dem 1:2-Rückstand nach 83 Minuten aber die Partie nochmal drehte, zeugt von einer packenden Mentalität, die in der Liga wohl ihresgleichen sucht. „Das zeigt, ebenso wie den frühen Rückstand gegen Potsdam umzubiegen, was für eine Mentalität in dieser Mannschaft steckt. Wir geben nie auf und machen immer weiter“, erklärt Arnautis.

Sturmtrio sammelt fleißig Scorerpunkte

Dass Bayern im DFB-Pokal-Achtelfinale die Revanche gelang (4:2), trübt das Gesamtbild des Finalisten von 2021 keineswegs. Auch auf dem FC Bayern Campus bot die Eintracht den Zuschauern eine packende Partie. Mehr als zwei Tore im Schnitt aus den drei Spielen gegen Bayern und Wolfsburg hat in dieser Saison kein anderes Team bisher geschafft, das Spitzenduo kassiert jeweils nur rund einen halben Treffer pro Partie – die Duelle gegen die Eintracht ausgenommen.

Mit 25 Treffern in elf Spielen stellen die Adlerträgerinnen die bisher fünfttbeste Offensive und mit zwölf Gegentoren die drittstärkste Defensive. Ein Geheimnis liegt darin, dass das Dreiergespann in der Stammoffensive – Lara Prasnikar, Laura Freigang und Shekiera Martinez – sich Treffer und Vorlagen aufteilen. Alle kommen auf mindestens neun Scorerpunkte. Neuzugang Nicole Anyomi konnte dabei anfangs aufgrund einer Verletzung nur wenig spielen und kommt immer besser in Tritt, Géraldine Reuteler fällt aktuell noch aus. Im flexibleren 4-4-2-System mit Raute kommen die Vorzüge eines variablen und schnellen Umschaltspiels besser zur Geltung.

Deutliche Entwicklung trotz weiterer Ausfälle 

Wermutstropfen für die Adlerträgerinnen in Form von verletzten Spielerinnen gab es allerdings einige. Zu den drei Kreuzbandverletzten aus der Vorsaison Tanja Pawollek, Géraldine Reuteler und Lea Schneider gesellte sich Camilla Küver mit derselben Diagnose nach einer Aktion Mitte November gegen den FC Carl Zeiss Jena (6:0) sowie Virginia Kirchberger. Die Österreicherin brach sich im Dienst der Nationalmannschaft Ende November gegen Luxemburg das Schien- und Wadenbein. Kapitänin Pawollek, Reuteler und Schneider könnten zur Wintervorbereitung Anfang Januar nach und nach langsam ins Training einsteigen. Neben den Ausfällen hat Arnautis teilweise ein weiteres Luxusproblem, das ihn aber auch gleichermaßen stolz macht. Während der Länderspielpausen fehlten ihm bis zu 15 Nationalspielerinnen – Reuteler (Schweiz) und Pawollek (Polen) nicht mitgerechnet. „Es sind einige Ausfälle, die wir aber alle super kompensieren“, ergänzt der 41-jährige Coach.

Trotz aller Widrigkeiten ist der gebürtige Frankfurter stolz auf die Entwicklung seines Teams und zieht ein durchaus positives Fazit zur Winterpause sowie insgesamt für das Kalenderjahr, in dem es von Ende März (2:3 in Leverkusen) bis Mitte Dezember (0:1 in Bremen) inklusive DFB-Pokal keinen Punktverlust gegen Teams außerhalb der Top Fünf gab: „Wir sind nach der Hinrunde Vierter, stehen in der Spitzengruppe und haben die beste Hinserie der vergangenen sechs Jahre gespielt. 2021 war ein hervorragendes Jahr.“

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