20.10.2020
Frauen Profis

„Wollen Euphorie immer wieder neu entfachen“

Nachdem das erste Saisondrittel der FLYERALARM Frauen-Bundesliga gespielt ist, äußert sich Trainer Niko Arnautis zum tollen Start und den Gründen für die Durststrecke zuletzt.

Niko, mit ein paar Tagen Abstand: Wie bewertest du das knappe 0:1 am vergangenen Freitag gegen Freiburg?
Natürlich ist es sehr ärgerlich, dass wir nicht den einen Zähler mitnehmen konnten, der verdient gewesen wäre. Dass Laura in der Nachspielzeit den Elfmeter nicht reinmacht, passt zu diesem Spiel – aber wir machen ihr keinerlei Vorwurf. Wir waren präsent, sind dann aber mit dem ersten Gegenangriff nach wenige Minuten in Rückstand geraten, was die Sache nicht einfacher gemacht hat. Denn dadurch waren die Räume noch enger, Freiburg hatte einige Konterchancen und wir haben unsere eigenen großen Torchancen nicht verwertet, auch weil uns am Freitag im letzten Drittel die Genauigkeit gefehlt hat. Die Partie ist abgehakt, wir arbeiten in den nächsten Wochen und Monaten weiter daran.

Ist die Euphorie nach zwei Niederlagen am Stück verflogen?
Es ist richtig, dass mit der Fusion eine große Euphorie um die Mannschaft entstanden ist, was sehr positiv zu bewerten ist. Wir haben diese positive Aufbruchsstimmung mitnehmen und durch unsere Leistungen verstärken können, wodurch wir auf dieser Euphoriewelle reiten konnten. Es darf aber nicht vergessen werden, dass wir in den ersten Wochen und an den ersten Spieltagen bis auf die Langzeitverletzten alle an Bord hatten, da hat man gesehen, wofür dieses Team generell steht: packende Spiele, frischen Offensivfußball sowie defensiv stabil und aggressiv in den Zweikämpfen. Jetzt sind wir in einer Phase, in der wir ein paar Spiele nicht gewinnen konnten. Man muss realistisch und auf dem Boden bleiben, denn niemand darf erwarten, mit den neuen Adlerflügeln gleich in den Himmel abzuheben. Aber diese Euphorie können und wollen wir mit erfolgreichen Spielen immer wieder neu entfachen.

Welche Gründe gab es für die zuletzt drei sieglosen Spiele am Stück?
Man muss die drei Partien differenziert betrachten: Gegen Leverkusen war es ein offenes Spiel und wir haben zwischen Defensive und Offensive zu unausgewogen agiert. In Sand waren wir selbst daran schuld, haben Geschenke verteilt. Und gegen Freiburg sind wir früh in Rückstand geraten, hätten aber einen Punkt holen können. Hier hat uns die Frische in den entscheidenden Szenen gefehlt und die Genauigkeit im letzten Drittel. Aber: In meinen Augen waren wir in allen drei Begegnungen mindestens ebenbürtig und vor allem fußballerisch das bessere Team. Shekiera Martinez und Theresa Panfil waren angeschlagen, Virginia Kirchberger war zwischenzeitlich ausgefallen, Sjoeke Nüsken und Lara Prasnikar hatten mit ihren Verletzungen aus der Vorsaison zu kämpfen, sind noch nicht bei 100 Prozent und nach dem Abbruch der Zweiten Liga hatte Leonie Köster wenig trainiert. Das sind auch Dinge, die man in der Gesamtbetrachtung berücksichtigen muss.

Ein Sieg macht aus uns noch keinen Meisterschafts- und eine Niederlage keinen Abstiegskandidaten.

Cheftrainer Niko Arnautis

Ihr seid super in die Spielzeit gestartet, habt drei der ersten vier Partien gewonnen, das hat außen Begehrlichkeiten geweckt. Wie sah das bei dir und dem Team aus?
Natürlich sind wir sehr froh, so in die Liga gestartet zu sein. Aber diese Ergebnisse und die Spielweise haben Begehrlichkeiten geweckt. Wir haben immer darauf hingewiesen, dass auf unserem Weg, junge Spielerinnen weiterzuentwickeln, ergebnistechnische Rückschläge vorkommen können. Wir haben uns bewusst für diesen Weg entschieden und wollen nachhaltig eine erfolgreiche Mannschaft aufbauen. Dennoch ärgert uns jeder Punktverlust. Wir ziehen da im Verein gemeinsam an einem Strang, geben diesem tollen Projekt Zeit und bleiben realistisch, aber auch anspruchsvoll: Ein Sieg macht aus uns noch keinen Meisterschafts- und eine Niederlage keinen Abstiegskandidaten. Man tut der Mannschaft unrecht, wenn man ihr diese Zeit nicht gibt. Aber letztendlich haben wir schon einiges erreicht: Laura Freigang steht momentan mit neun Treffern an der Spitze der Torjägerinnenliste, hat sich für die Nationalmannschaft empfohlen und mit Merle Frohms hat sich eine Nationaltorhüterin für uns im Sommer entschieden und sich bestens in unserem Team integriert.

Hat sich jetzt etwas an den Zielen geändert, daran, was ihr euch für diese Premierensaison unter dem Adlerdach vorgenommen habt?
Wir möchten uns als Verein und Team weiterentwickeln, um näher an die Spitze zu kommen. Daran hat sich nichts geändert. Dazu gehört ein Prozess und eine Lernphase mit Rückschlägen. Der Verein und die Mannschaft möchten für einen frischen, mutigen und leidenschaftlichen Fußball stehen. Wir sind noch mittendrin in der Entwicklung.

Wie würdest du die bisherigen Monate bei Eintracht Frankfurt beschreiben?
Total positiv: Die große Euphorie und Unterstützung aller im Verein spüren wir bis heute. Infrastrukturell können wir auf allen Ebenen noch professioneller arbeiten. Das sind Dinge, die sich ebenfalls noch über die Zeit intensivieren werden, es wird noch mehr Wissensaustausch geben, was uns weiter voranbringt. Wir sind glücklich, ein Teil dieser Eintracht-Familie sein zu dürfen.

Wir sind glücklich, ein Teil dieser Eintracht-Familie sein zu können.

Cheftrainer Niko Arnautis

Blicken wir nach vorne: Momentan sind zehn Adlerträgerinnen mit ihren Nationalmannschaften unterwegs, wann kommen diese zurück?
Bis Mitte nächster Woche sind die meisten unterwegs, Sjoeke und Camilla sind bereits Anfang nächster Woche wieder in Frankfurt, weil der U20-Lehrgang des DFB verkürzt wurde. Die anderen haben ein Spiel, Lara mit Slowenien zwei Partien. Die Spiele finden erst am nächsten Dienstag statt, sodass ich alle Rückkehrerinnen erst donnerstags im Training habe: Sie absolvieren dann eine regenerative Einheit und am Freitag bereiten wir uns beim Abschlusstraining gemeinsam auf Karlsruhe vor.

Nur einen Tag später steht das DFB-Pokalspiel beim Karlsruher SC an. Was erwartet uns?
Uns erwartet eine ambitionierte Mannschaft, die den Durchmarsch in die Zweite Frauen-Bundesliga anstrebt. Für einen Regionalligisten spielen sie einen guten und gegen den Ball aggressiven Fußball. Der KSC hat die eine oder andere sehr gute Fußballerin in seinen Reihen. Natürlich werden wir uns optimal vorbereiten und sind der klare Favorit. Es gibt nur ein Ziel: den Klassenunterschied beweisen und – ohne Karlsruhe zu unterschätzen – in die nächste Runde einziehen.

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