26.05.2021
DFB-Pokal Frauen

"Um jeden Zentimeter kämpfen"

Pia und Tina Wunderlich blicken auf eine äußerst erfolgreiche Karriere als Fußballerinnen zurück – und haben einen heißen Tipp für das anstehende Pokalfinale der Eintracht Frauen.

Gemeinsam haben sie große Erfolge gefeiert und die Liste ihrer Siege ist lang, sehr lang. Nicht nur auf Vereinsebene, sondern auch mit der Nationalmannschaft. Trotz aller Erfolge haben beiden nie den Boden unter den Füßen verloren – im Gegenteil. Tina und Pia Wunderlich sind dem (Frauen-)Fußball bis heute verbunden und gehen neben ihren Vollzeitjobs mittlerweile „nebenbei“ ihrer Leidenschaft nach. Während sich Tina als Sportliche Leiterin um die Belange der Regional- und Hessenliga-Mannschaften von Eintracht Frankfurt kümmert, trainiert Pia eine inklusive Männer-Mannschaft in Bad Soden-Salmünster. Es bleibt zwar meist keine Zeit, um persönlich im Stadion dabei zu sein, doch die Geschwister, die beim TuS Schwarzenau ihre fußballerischen Karrieren begannen, verfolgen online Spielstände, Ergebnisse und die neuesten Entwicklungen, sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern. Zudem komme bei Tina durch ihre Tätigkeit selbstverständlich noch der persönliche Kontakt zu Niko Arnautis oder Kim Kulig und ihren jeweiligen Teams hinzu.

Und so steigt nicht nur bei den aktuellen, sondern auch bei den ehemaligen Spielerinnen die Vorfreude und Spannung auf das Pokalendspiel gegen den VfL Wolfsburg am kommenden Sonntag (16 Uhr). Zu ihrer Zeit, so die Wunderlichs, sei das alles noch ein wenig anders gewesen. Während heute das Endspiel in Köln stattfindet, liefen die Frauen damals noch im Olympiastadion in Berlin auf – vor dem Finale der Männer. „Das war ein absolutes Highlight“, erinnert sich Pia. „Wir wussten: Wir fahren nach Berlin, dürfen in einem so großen Stadion und vor deutlich mehr Zuschauern als in der Liga spielen. Das war immer etwas ganz Besonderes.“ Während heute auch einige Spiele aus der Bundesliga übertragen werden, war das während ihrer aktiven Karriere noch lange nicht so. „Der DFB-Pokal hatte im Frauenfußball schon immer einen hohen Stellenwert. Wir waren plötzlich viel mehr in den Medien und wurden, zumindest rund um das Finale, ganz anders wahrgenommen. Damals gab es im Fernsehen hauptsächlich den DFB-Pokal und das Highlight-Spiel Frankfurt gegen Potsdam – aber dann nur auf den dritten Programmen. Deshalb war der DFB-Pokal für uns das Highlight schlechthin“, ergänzt Tina.

Unbändiger Siegeswille

Über die Jahre haben sich viele gute, aber natürlich auch einige negativen Erfahrungen eingebrannt. Oftmals hat der Spielverlauf darüber entschieden, was hängen bleibt. Während beispielsweise die Freude über den Last-Minute-Sieg gegen Duisburg durch ein Eigentor der heutigen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg besonders groß war, weil kurz vor Schluss doch das Quäntchen Glück auf Seiten der Frankfurterinnen lag, sitzt der Stachel der Niederlagen, beispielsweise gegen die Turbine, gefühlt auch heute noch tief. Trotz ihrer zahlreichen Erfolge waren Wille und Ehrgeiz der Wunderlichs, aber auch des ganzen Teams, ungebrochen. „Wir wollten immer mehr“, schwelgt Pia in Erinnerungen. „Wir wussten immer, dass wir die Gejagten sind. Wir waren damals das Nonplusultra, jeder wollte uns schlagen. Und andersherum wollten wir ein Team nach dem anderen besiegen. War das eine geschlagen und der Titel gewonnen, ging die nächste Saison los und wir wollten die nächsten Titel holen.“

Während sie von ihren aktiven Karrieren erzählen, kann man ihnen die Freude über das Erlebte noch heute anmerken. Die Augen leuchten, es wird viel gelacht. Es sind Erfahrungen, die sie nicht missen wollen und Erfahrungen, die sie für ihr Leben geprägt haben. Die Geschwister holten gemeinsam drei Mal den UEFA-Cup und jeweils sieben Mal die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal. Auch in der Nationalmannschaft trugen sie maßgeblich zu Erfolgen bei, so zählt beispielsweise die olympische Bronzemedaille zu ihren Errungenschaften, ebenso wie die Europameisterschaft 2001. Ihre fußballerische Erfahrung ist groß, sie wissen also gut, wie es sich anfühlt in einem (Pokal-)Finale zu stehen. Titel holen sei jedenfalls ein unbeschreibliches Gefühl. Wie ein Film, der nach Abpfiff abläuft. „In dem Moment ist es einfach Freude pur. Dem Gefühl, dass sich die Arbeit der ganzen Saison gelohnt hat oder wir unser gemeinsames Ziel erreicht haben. Es war oftmals auch das Ende der Saison, weil die Meisterschaft schon vorher abgeschlossen haben. Zu dem Zeitpunkt hieß es also nur noch: Gewinnen und Feiern – Saison beendet. Außer es ging zur Nationalmannschaft“, beschreibt die ehemalige Mittelfeldspielerin Pia.

Finale heißt auch, dass es 90 oder 120 Minuten sind, in denen du um jeden Zentimeter kämpfen musst.

Tina Wunderlich

Diese Gefühle würden sie auch dem aktuellen Team wünschen. Zwar ist die aktuelle Mannschaft noch jung und die meisten Spielerinnen stehen zum ersten Mal in einem Finale, nichtsdestotrotz blicken sie optimistisch auf Sonntag. „Die Bundesliga-Partien waren in dieser Saison beide knapp. Finale heißt auch, dass es 90 oder 120 Minuten sind, in denen du um jeden Zentimeter kämpfen musst. So hast du in einem Pokalfinale auf jeden Fall eine Chance“, betont Tina und wird von ihrer Schwester ergänzt: „Wolfsburg ist auf dem Papier natürlich Favorit, aber das Pokalspiel ist eine einmalige Chance, es wird darum gehen, wer seine Nervosität auf dem Platz am besten wegstecken kann. Die Eintracht kann den Titel holen.“

Sieg, aber knapp

Den Frankfurterinnen, ihrem Trainer Niko Arnautis und dem Team hinter dem Team würden die beiden den Erfolg auf jeden Fall von Herzen gönnen, erwarten aber eine heiß umkämpfte Partie. Vor allem auf die starke Offensive der Wolfsburgerinnen müssen sich die Eintracht-Frauen einstellen, so Tina. Es wäre also kein Wunder, wenn es zu einem torreichen Endspiel kommt, da sind sich beide einig. „Ein 1:0 würde ja eigentlich reichen, aber wir wollen ja auch ein spannendes Spiel sehen. 3:2 für die Eintracht“, sagt Pia und erhält dafür Zustimmung von ihrer Schwester – und sicherlich auch von allen Eintracht-Fans, die am Sonntag die Daumen drücken werden. Gemeinsam, da sind sich die Wunderlichs sicher, können die Frankfurterinnen ein weiteres Stückchen Frauenfußball-Geschichte schreiben. So wie sie.

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