01.07.2020
Frauenfußball

Trikottausch

Zum 1. Juli nehmen bei Eintracht Frankfurt gleichzeitig vier zukunftsträchtige Umstrukturierungsmaßnahmen offiziell Fahrt auf. Eine davon betrifft den Frauenfußball.

Als am Sonntag um kurz vor 16 Uhr in der Frauen-Bundesligabegegnung zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem SC Freiburg der Schlusspfiff ertönt, ist dieser gleichbedeutend mit dem Ende der Geschichte des bis heute erfolgreichsten deutschen Damenteams aller Zeiten. Auch wenn die künftigen Adlerträgerinnen die Saison 2019/20 vor den Augen von Eintracht-Präsident Peter Fischer, Vorstandsmitglied Axel Hellmann und ihrem Manager Siegried Dietrich als Tabellensechster abschließt und seit 2016 nicht mehr unter den ersten Drei gestanden hat, führte der ehemalige FFC mit 346 Siegen aus 484 Spielen und 1.092 Punkten bis zuletzt die Ewige Tabelle an.

Auch weil diese die Kräfteverhältnisse zuletzt immer seltener widergespiegelt hatte, hatten die Verantwortlichen zwischen Stadtwald und Rödelheim seit zweieinhalb Jahren die Gespräche über eine mögliche Fusion vorangetrieben und sich schließlich Ende Juni 2019 auf eine Eingliederung des FFC in die Eintracht-Familie zur Saison 2020/21 verständigt. „Der 1. FFC Frankfurt ist ein großer Name im deutschen und europäischen Frauenfußball und dieser hat sich in den letzten Jahren sehr stark professionalisiert. Wir haben als größter und wirtschaftlich starker Klub der Region auch eine Verantwortung für den Sportstandort Frankfurt und wollen den Frauenfußball auf Topniveau erhalten“, freute sich Hellmann seinerzeit über die gesteckten Rahmendaten, denen allerdings noch die entsprechenden Zustimmung der FFC-Anhänger auf der Mitgliederversammlung im vergangenen Herbst fehlte.

Gekoppeltes Glück

Als diese letzte formale Hürde genommen war, stand einer aus vielerlei Gründen reizvollen Verschmelzung nichts mehr im Wege. Denn das Ziel, national wettbewerbsfähig zu bleiben und international wieder ambitionierter aufzutreten, war längst nicht das einzige. Die Tendenz in der Vergangenheit zeigt eindeutig, dass die Spitzenklubs in Deutschland und Europa allesamt in Verbindung mit den Lizenzbereichen der Herren zu sehen sind. Ob in der Bundesliga die wechselnden Meister VfL Wolfsburg und FC Bayern oder der europäische Dauerchampion Olympique Lyon sowie die weiblichen Vertretungen des Arsenal FC, FC Barcelona oder Manchester City. Zu jener Phalanx durfte sich über ein Jahrzehnt auch der FFC zählen. Neun DFB-Pokalsiege, sieben Deutsche Meisterschaften und vier Champions League-Titel sprechen für sich. Besonders der Königsklassentriumph 2008 ist in den Frankfurter Herzen und Köpfen haften geblieben, als die Adlerträgerinnen vor 27.640 Zuschauern im Finale den Schwedischen Meister Umeå IK besiegten.

Und zwar in dem Stadion, das seit heute Deutscher Bank Park heißt, weswegen dem Triple vor zwölf Jahren mit dem heutigen Tag auf operativer Eben quasi das Quadruple folgt: Fusion, Wechsel des Stadiongastronomen, die neuen Namensrechte an der Spielstätte sowie nicht zuletzt den erlangten Status als Hauptmieter des Deutsche Bank Parks – alle in Kraft getreten am 1. Juli 2020.

Bewusste Verbundenheit

Abseits des Blitzlichtgewitters erachten es die Hessen als nicht weniger elementar, den eigenen Unterbau zu stärken, weshalb neben der ersten auch die in der Zweiten Liga vertretene zweite Mannschaft sowie drei Juniorinnenjahrgänge unter den Flügeln des Adlers trainieren und spielen werden. „Neben der Wettbewerbsfähigkeit unseres Profiteams spielt natürlich auch die Weiterentwicklung der Talente der U-Mannschaften eine große Rolle“, bekräftigt Dietrich, der als Generalbevollmächtigter für den Frauenfußball der Eintracht Frankfurt Fußball AG auch für die sportlichen Belange im Profifrauenfußball die operative Verantwortung übernehmen soll.

Dabei weiß er mit Sportvorstand Fredi Bobic nicht nur einen ausgewiesenen Fachmann, sondern zugleich das elfte Gründungsmitglied des FFC ab sofort an seiner Seite. „Als eines der ersten Mitglieder des FFC freut mich diese Entscheidung ungemein. Es ist nicht zuletzt auch ein tolles Zeichen für den Frauenfußballstandort Frankfurt, den wir als Eintracht auf diese Weise gezielt weiterentwickeln möchten“, gilt Bobic als genauso großer Fürsprecher des Projektes wie Vorstandskollege Hellmann: „Ich habe mich vor mehr als zehn Jahren für die Gründung eines Frauenfußballbereichs bei Eintracht Frankfurt e.V. stark eingesetzt und bin froh, dass wir nun einen weiteren großen Schritt in diesem Bereich machen können.“

Es sind längst nicht die einzigen Verbindungen, die den Zusammenschluss rückblickend fast logisch erscheinen lassen. Auch Wolfgang Steubing, Aufsichtsratsvoristzender der Eintracht Frankfurt Fußball AG, ist Mitglied des FFC. Niko Arnautis, Cheftrainer der ersten Mannschaft, war einst Nachwuchstrainer am Riederwald, wo auch Tina Wunderlich nach je sieben Meisterschaften und Pokalsiegen mit dem FFC bei Eintracht Frankfurt ihre Laufbahn beendete und seit 2016 im Trainerstab arbeitet. Die ehemalige Nationalspielerin hält bis heute den Rekord, zehn DFB-Pokalendspiele in Folge über die volle Spielzeit bestritten zu haben. Referenzen, mit denen jemand beim fünfmaligen DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt gewiss an der richtigen Adresse ist.

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