30.05.2021
DFB-Pokal Frauen

Thriller ohne Happy End

Die Eintracht Frauen verlieren das DFB-Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg denkbar unglücklich 0:1. Pajor sorgt für den späten Endstand (118.).

Drama, Tränen, unbändige Willensleistung. Die Eintracht Frankfurt Frauen zwingen den VfL Wolfsburg im DFB-Pokalfinale in Köln bis in die Verlängerung, verpassen ihrerseits die Führung und müssen sich erst in den letzten Zügen geschlagen geben. Vor Pajors Tor des Tages (118.) sieht VfL-Torhüterin Almuth Schult Rot (96.). Schon in der ersten Halbzeit müssen die Adlerträgerinnen den Verlust von Kapitänin Tanja Pawollek verkraften, lassen sich aber selbst davon nicht beirren. Doch der Reihe nach.

Vom Start weg zeigten sich beide Seiten blendend eingestellt, wissend um die Stärken des jeweiligen Kontrahenten sowie der Bedeutung des Endspiels. Geheimnisse gab es wie erwartet keine nach den vorherigen Vergleichen in der Liga. Der letzte lag erst eine Woche zurück. Im Vergleich zum 2:3 im Deutsche Bank Park begannen in Köln Letícia Santos und Laura Feiersinger für Janina Hechler und Sandrine Mauron.

Aus einem nominellen 4-2-3-1-System heraus liefen die Adlerträgerinnen die Niedersachsen wechselweise auch im 4-4-2 an, wenn Laura Freigang neben Lara Prasnikar vorrückte. Trotz forschen Beginns der Hessinnen gehörten die ersten Gelegenheiten dem Titelgewinner der vorangegangenen sechs Jahre.

Erst mutig, dann in Bedrängnis

Erst zielte Dominique Janssen zu hoch (8.), kurz darauf zog Ewa Pajor nach einem Gegenstoß von der linken Seite nach innen und schlenzte das Leder haarscharf am langen Pfosten vorbei (9.). Fortan erhielten die Wolfsburgerinnen mehr Spielanteile und bauten immer größeren Druck auf. Nichtsdestotrotz: Nachdem Fridolina Rolfö aus 20 Metern das Außennetz getroffen hatte (13.), konnte sich der Rekordpokalsieger aus Frankfurt weitgehend aus der gegnerischen Umklammerung befreien.

Tränen um Pawollek

Die erste Torannäherung erfolgte nach einer halben Stunde, als Sjoeke Nüsken einfach mal abzog, aber etwas zu hoch zielte (33.). In den folgenden Minuten stand das Spielgeschehen etwas weniger im Vordergrund, weil Tanja Pawollek nach mehrmaligen Behandlungspausen nicht weitermachen konnte und dies unter Tränen signalisierte (38.). Entsprechend kam in der 40. Minute Alexandra Johannsdottir für die Kapitänin in die Partie (40.).

Wenige Augenblicke später stockte kurz erneut der Atem, als Lena Oberdorf das Spielgerät aus spitzem Winkel an den Außenpfosten jagte (42.). Am grundsätzlichen Widerstand des Teams von Niko Arnautis änderte dies freilich nichts, weshalb es torlos in die Kabinen ging.

Kampf geht vor

Nach dem Seitenwechsel staffelte sich Frankfurt etwas tiefer, was zwar weniger frühe Ballgewinne, aber einige vielsprechende öffnende Pässe aus der eigenen Hälfte zur Folge hatte. Die dickste Chance besaß zunächst Johansdottir, die nach Ablage Prasnikars in Almuth Schult ihre Meisterin fand, die mit einer Hand parierte (59.). Auch oder womöglich gerade weil die Intensität gegenseitige gesunde Härte nicht nachließen, blieben weitere Hochkaräter Mangelware. Nur Pajor hätte die hessische Hintermannschaft beinahe einmal auf dem kalten Fuß erwischt (70.).

Trotz Schlussoffensive in die Verlängerung

Auch Rolfö machte abermals auf sich aufmerksam, brach über die linke Außenbahn durch, das Netz zappelte jedoch erneut nur von außen (83.). Im Wolfsburger Strafraum rettete Sara Doorsoun kurz vor der Torlinie (86.), im Gegenzug entschärften die Adlerträgerinnen mit vereinten Kräften (87.) und wieder keine zwei Zeigerumdrehungen später schoss Feiersinger in die Arme von Schult (89.). Ähnliches Schema in der Nachspielzeit: Flanke Rolfö, Merle Frohms lenkt den Ball geistesgegenwärtig an den Innenpfosten und zurück zur Ex-Wolfsburgerin Frohms (90. + 3) – die Verlängerung konnte kommen!

Die Zugabe wartete gleich mit einem Paukenschlag auf, als VfL-Keeperin Schult nach einem Zusammenstoß außerhalb des Sechzehners mit Prasnikar wegen Notbremse Rot sah (96.), woraufhin die umtriebige Rolfö für Torfrau Friedericke Abt weichen musste (98.). Ruhepausen konnte der heftige Schlagabtausch, der sich längst auf Augenhöhe abspielte, danach weniger denn je. Die Niedersachsen prüften Frohms drei Mal binnen weniger Minuten (102, 104., 105.), der unablässlich anpeitschende SGE-Chefcoach Arnautis sah Gelb (100.).

Das unbändige Engagement ließ bis zur letzten Sekunde nicht nach, mit schwindender Kraft einher ging hüben wie drüben auch die letzte Durchschlagskraft, manchmal fehlte nur eine Fußspitze, wie bei Prasnikar (115.). Am aussichtsreichsten konnte die dauerbewachte Freigang abschließen, doch Abt war zur Stelle (116.). Das einzige Mal kaltschnäuzig an diesem mittlerweile Abendspiel war Unruheherd Pajor, die nach einer Umschaltaktion trocken zum 0:1 einschoss (118.). Die Zeit verrann, der Schlusspfiff ertönte und ein Drama sondersgleichen fand mit dem VfL Wolfsburg einen Sieger in einem Endspiel, das keinen Verlierer verdient hatte.

So spielte die SGE

Frohms - Leticia Santos, Kleinherne, Störzel (95. Kirchberger), Küver (91. Hechler) - Nüsken, Pawollek (40. Johannsdottir) - Feiersinger, Freigang, Dunst (106. Martinez) - Prasnikar.

So spielte Wolfsburg

Schult - Wedemeyer (49. Blässe), Doorsoun, Janssen, Rauch - Engen, Oberdorf - Huth, Blomqvist (65. Wolter), Rulfö (98. Abt) - Pajor (120. Jakabfi).

Schiedsrichterin

Mirka Derlin (Bad Schwartau)

Tor

0:1 Pajor (118.)

Rote Karte

Schult (96., Notbremse)

Gelbe Karten

Arnautis, Kleinherne - Oberdorf, Jakabfi

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