16.12.2020
Frauen Profis

„Sehe das Zahlenwerk nach elf Spielen als Momentaufnahme“

Sportdirektor Siegfried Dietrich zieht nach der Hinrunde Zwischenbilanz des ersten Halbjahrs der Eintracht Frauen unter dem Adlerdach.

Herr Dietrich, die Frauen sind seit rund einem halben Jahr unter dem Adlerdach – wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?
Auch wenn Corona gerade vieles ausbremst, sind wir nach der Fusion im Juli in der ersten Saisonhälfte als Adlerträgerinnen in der Wettbewerbswelt des nationalen Frauenfußballs angekommen. Ein richtig tolles Gefühl, in allen Bereichen der Eintracht-Familie herzlich aufgenommen und integriert worden zu sein. Und ganz ehrlich: Ich empfinde das starke Miteinander – auch ganz persönlich – wie eine Horizonterweiterung! Eintracht Frankfurt bietet weit über den Tellerrand des Fußballs hinaus eine Vielfalt, zu der wir mit unseren Spielerinnen, Trainern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch mit unseren Fans und Partnern sportlich und gesellschaftlich beitragen dürfen. Genauso profitieren wir aber auch nachhaltig davon und sind ein Teil des großen Ganzen.

Wird die Mannschaft von Fans, in der Liga und der Stadt anders wahrgenommen, welche Änderungen stellen Sie fest?
Nach einer erfolgreichen Hochzeit wird man natürlich auch unter anderen Vorzeichen wahrgenommen – auch wenn sich durch Corona dieser Prozess vor allem im direkten Austausch mit den Fans aktuell leider eher in Zeitlupe abspielt. Man selbst hat immer wieder das Aha-Erlebnis, als Adler angesprochen zu werden – und ist natürlich stolz darauf! Genauso empfindet man aber auch weiterhin, dass die 22-jährige FFC-Historie immer wieder nachhallt und dieser Faktor selbstverständlich auch ein Teil der Grundlage für die Erwartungshaltung bezüglich neuer Ziele ist. Immer wieder gelten wir aber auch mit der Fusion als Signalgeber für den sich immer mehr durchsetzenden Trend, dass Profi-Frauenfußball bei Männer-Lizenzvereinen zum nachhaltigen Erfolgsweg eines auch gesellschaftlich bestens aufgestellten „Fußball-Unternehmens“ wird. Das ist natürlich eine Wahrnehmung, mit der wir uns in Verbindung mit unserer Neuausrichtung unterm Adlerdach als der jahrelang richtungsweisende Frauenfußball-Club auch sehr gerne identifizieren.

Sportlich gab es nach dem euphorischen Start in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga zuletzt drei Niederlagen – wie zufrieden können Sie als Sportdirektor mit der Hinrunde sein?
Mit Beginn der neuen Zeitrechnung hatten wir sehr deutlich gesagt, dass wir entsprechend der Aufbauphase für das erste Eintracht-Jahr an unserer Philosophie festhalten wollen und mit einer guten Mischung aus Leistungsträgerinnen, unseren Toptalenten und einigen speziell ausgewählten Verstärkungen wie Nationaltorhüterin Merle Frohms ins Rennen gehen. Klar, dass bei dieser Vorgehensweise die interne Saisonprognose durchaus realistischer als die Erwartungshaltung der Medien und der Sicht von außen eingeschätzt wurde, die naturgemäß etwas ungeduldiger ausfällt. Sehr erfreulich sehe ich die Tatsache, dass wir uns nach den Ups and Downs mit dem Ausklang der ersten Saisonhälfte gegen Wolfsburg und gegen den Tabellenführer aus München in einer nachhaltig erkennbaren Entwicklung präsentiert haben. Das ist der Qualitäts-Move, den ich mit Niko Arnautis im Fokus hatte und der auch die sehr gute Arbeit unseres Cheftrainers und seines Teams unterstreicht. Niederlagen, an denen wir bestimmt gewachsen sind, und uns nicht so ärgern müssen, wie über die schmerzhaften Punktverluste in Sand, gegen Freiburg und nicht zuletzt auch gegen Leverkusen und Potsdam.

Sehr erfreulich sehe ich die Tatsache, dass wir uns nach den Ups and Downs mit dem Ausklang der ersten Saisonhälfte gegen Wolfsburg und gegen den Tabellenführer aus München in einer nachhaltig erkennbaren Entwicklung präsentiert haben.

Sportdirektor Siegfried Dietrich

Was entgegnen Sie Kritikern, die sich die bloßen Zahlen, also Punkte und Tabellenplatz, anschauen?
Auch wenn wir gerne schon zur Saisonhalbzeit in der Tabelle weiter oben gelandet wären, sehe ich das Zahlenwerk nach elf Spielen als Momentaufnahme. Wir erschrecken nicht davor, sondern werden maximal motiviert sein, die Rückrunde auch vom Tabellenplatz her erfolgreicher zu gestalten. Wir haben das Potential dazu, uns deutlich besser zu positionieren! Happy sind wir natürlich auch darüber, dass wir mit zwei klaren Erfolgen im DFB-Pokal überwintern und als Rekordsieger ins Viertelfinale eingezogen sind. Der Traum vom Pokalendspiel darf also weitergeträumt werden!

Was erwarten Sie für die Rückrunde, die am kommenden Sonntag bei Werder Bremen startet, was ist sportlich für die Mannschaft noch möglich?
Auch wenn wir weiterhin am Anfang einer für uns neuen Zeitrechnung stehen, bin ich fest davon überzeugt, dass wir schon in der Rückrunde 2020/21 die nächsten Schritte unserer Entwicklung gehen und sich weitere vielversprechende Talente zu Leistungsträgerinnen mit Führungsqualitäten entwickeln sowie auch Laura Freigang und Sophia Kleinherne in der deutschen Nationalmannschaft eine wachsende Rolle spielen werden. Das alles wird unabhängig vom Tabellenstand am Saisonende die Grundlage für den weiteren sportlichen Weg im zweiten Eintracht-Jahr sein. Genauso wird aber dazugehören, dass wir im Einklang mit der gewachsenen Stabilität in der Defensive, die auch durch eine ausgesprochen starke Merle Frohms bisher deutlich weniger Tore zugelassen hat, nun auch die Durchschlagskraft erspielter Chancen mit mehr Effizienz durch Zählbares zu Buche schlägt. Dementsprechend möchten wir natürlich in der zweiten Saisonhälfte auch die Tabelle im Blick behalten. Wenn die Langzeitverletzen zurückkehren und die Gesundheit mitspielt, sollte unser Ziel sein, in der Endabrechnung über dem Liga-Äquator der Tabelle zu landen und somit deutlich zum aktuellen Spitzenquartett aufzuschließen.

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