07.09.2020
Frauen Profis

„Ich liebe Frankfurt!“

Ende August zierte sie als erste Frau die Titelseite des Klubmagazins, am Sonntag hatte Laura Freigang mit einem Doppelpack gegen Bremen maßgeblichen Anteil am historischen Traumstart.

Nationalspielerin Laura Freigang wird in Kiel geboren und hat mit einem Sportstipendium schon in den USA gespielt. Der Sprung in den Profibereichgelang gelingt der 22-Jährigen anschließend beim 1. FFC Frankfurt. Mittlerweile hat sie in der Mainmetropole ihren Lebensmittelpunkt gefunden, wo sie neben dem Fußball an der Goethe-Universität Sportwissenschaften studiert. Unter den Flügeln des Adlers soll es jetzt weiter nach oben gehen. Ob die Eintracht-Luft schon Wirkung zeigt, warum die Hälfte ihrer Kleidung noch in den USA liegt und was ihr Bruder mit dem WM-Titel 2014 zu tun hat, verrät sie im großen Adlerträger-Interview, das auch in der aktuellen Ausgabe der „Eintracht vom Main“ erschienen ist.

Laura, erstmal herzlichen willkommen bei der Eintracht! Wie ist es für dich, Teil der Eintracht-Familie zu sein?
Vielen Dank! Ich freue mich sehr, unter so einem Namen in einer solch tollen Stadt zu spielen. Der Adler auf dem Trikot ist noch etwas ungewohnt, fühlt sich aber richtig gut an. Das ist ein positives Zeichen für die ganze Mannschaft, wir wollen alles geben.

Das erste Testspiel in neuen Trikots habt ihr direkt 4:0 gewonnen, drei Tore kamen von dir. Verrät das schon etwas über eure Taktik für die kommende Saison?
Das stimmt, wir haben uns in einer guten Frühform präsentiert. Ich denke, wir werden in dieser Saison viel mit dem Ball spielen. Wir sind keine Mannschaft, die nur über die Defensive kommt. Unser Konterspiel ist dabei sicherlich eine unserer Stärken. Wir sind für den Gegner relativ unberechenbar, wenn wir schnell nach vorne spielen. Das wollen wir natürlich beibehalten.

Insgesamt seid ihr eine recht eingeschworene Truppe, was ist euer Geheimnis?
Wir verstehen uns einfach auf, aber auch neben dem Platz sehr gut miteinander. Die meisten von uns spielen ja schon länger in Frankfurt zusammen und kennen Niko schon lange. Das merkt man unserem Spiel positiv an, der Teamgeist stimmt einfach.

Dass ihr im Abschluss so gefährlich seid, liegt auch an deinen 16 Toren in der vergangenen Saison. Ist das deine größte Stärke?
Sicherlich, ich bin vor dem Tor effektiv – als Stürmerin keine schlechte Eigenschaft (lacht). Es dürfen in der kommenden Saison aber gerne mehr Treffer von außerhalb des Strafraums sein. Abgesehen aber davon, bin ichin der Lage, sowohl in der Spitze in die Tiefe zu gehen als auch im Mittelfeld die Bälle zu verteilen.

Und wenn wir schon von Stärken sprechen, von wem hast du dein Talent geerbt?
Mein Vater würde jetzt sicher sagen, dass er früher auf dem Bolzplatz wie Messi gespielt hat, aber er war nie in einem Verein. Vielleicht habe ich es ja auch von meiner Mutter – ich weiß es nicht. Zum Fußball kam ich deshalb auch von selbst. Ich hatte einfach Spaß daran und wollte unbedingt im Verein spielen. Das mache ich jetzt, seit ich vier oder fünf Jahre alt bin.

Sind deine Geschwister fußballbegeistert?
Mein jüngerer Bruder hat sehr lange Fußball gespielt. 2014 ist er sogar im WM-Finale in Rio de Janeiro an der Hand mit Philipp Lahm eingelaufen, das war für ihn natürlich ein Riesenerlebnis. Glücksbringer Lukas Freigang (lacht).

Hast Du fußballerische Vorbilder oder gibt es Spielerinnen, von denen du dir etwas abguckst?
Ich schaue mir schon das eine oder andere von guten Spielerinnen ab. Sehr beeindruckend finde ich Pernille Harder vom VfL Wolfsburg, weil sie auf einer ähnlichen Position wie ich spielt, sich sehr gut im Raum bewegt und vor dem Tor unglaublich effektiv ist. Kein Wunder, dass sie 27 Mal getroffen hat.

Wir haben gesehen, dass du auf deinem Instagram-Profil recht aktiv bist und gerne mal kreative Fotomontagen entwirfst.
Es macht mir auf jeden Fall Spaß, zumindest ab und zu lebe ich mich in meiner Freizeit gerne mal kreativ aus.

Wer oder was hat dich auf deinem Weg geprägt?
Keine einfache Frage. Aber wenn ich das jetzt nicht an einer Sache festmachen muss, dann ist das sicherlich meine Zeit in den USA an der Pennsylvania State University.

Klischee trifft zu

Wie bist du dort gelandet?
Durch die U-Nationalmannschaften hatte ich mal hin und wieder Kontakt zu Beratern, die mich gefragt haben, ob ich Interesse daran hätte, in den USA zu spielen. Ich war mir zuerst unsicher und bin erstmal hingeflogen, um mir zwei Universitäten anzuschauen. Letztendlich habe ich mich für die Pennsylvania State University entschieden, an der ich dann zwei Jahre studiert und trainiert habe.

Was hast du aus deiner Zeit dort mitgenommen?
Ich konnte aus dieser Zeit sowohl persönlich als auch fußballerisch sehr viel mitnehmen. Auf der einen Seite kam ich mal aus Deutschland raus und bin neuen Leuten und einer anderen Kultur begegnet. Auf der anderen Seite habe ich auch eine andere Art Fußball zu spielen kennengelernt.

Was unterscheidet den Fußball in den USA von dem in Deutschland?
Es gibt das Klischee, dass in Amerika körperlicher gespielt wird, was in meinen Augen auch so ist. Das Spiel ist deutlich athletischer. Durch die Trainingsmöglichkeiten vor Ort haben wir daran auch akribisch gearbeitet. Aber ich habe ich mir durchaus bewusst eine Uni ausgesucht, die einen sehr europäisch orientierten Fußball spielt.

Ich hatte nur Sommersachen mit nach Deutschland genommen, weil ich dachte, dass ich zurückgehe. Jetzt stehen meine Sachen seit drei Jahren bei einer Freundin im Keller.

Laura Freigang

Wie kann man sich eine Saison an einer Universität in den USA vorstellen?
Die Saison dauert nur drei Monate. Wir hatten meistens zwei Spiele in einer Woche und zwischen den Spielen sind wir noch geflogen. Die Belastung war da eine ganz andere. Und im Anschluss hat man fünf bis sechs Monate, in denen man konsequent an seinen Schwächen arbeitet. Das war zum Beispiel eine ganz neue Erfahrung für mich, die mich aber weitergebracht hat.

Stimmt es denn, dass ein Teil deiner Kleidung immer noch in den USA ist?
Ja, das ist richtig. Ich hatte nur Sommersachen mit nach Deutschland genommen, weil ich dachte, dass ich zurückgehe. Jetzt stehen meine Sachen seit drei Jahren bei einer Freundin im Keller. Dort habe ich einige Schuhe zurückgelassen, das ist fast ein bisschen traurig, wenn ich darüber nachdenke (lacht).

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass du schusselig bist und den Strafenkatalog im Team anführst…
Ich bin schon immer ein kleiner Schussel gewesen. In der Schule war ich schon immer die Letzte, die den Zettel abgegeben hat. Es gab beim FFC eine Zeit, da hatte ich einiges in die Mannschaftskasse eingezahlt, aber das hat sich mittlerweile gebessert (lacht)!

Auf Anhieb in Frankfurt und der Mannschaft gefallen

Nach der U20 Weltmeisterschaft 2018 bist du der Einladung von Cheftrainer Niko Arnautis gefolgt, die Saisonvorbereitung bei Frankfurt mitzumachen.
Genau! Und wie man sieht, bin ich geblieben. Niko hat mich mittrainieren lassen. Vielleicht hatte er sich im Hinterkopf bereitseinen Plan zurechtgelegt, wie er mich zum Bleiben überreden kann. Im Endeffekt hatten wir mehrere Gespräche und er wollte mich im Team haben. Darüber hinaus hat es mir in Frankfurt und der Mannschaft auf Anhieb so gut gefallen, dass ich direkt zur neuen Saison gewechselt bin.

Du warst aber auch schon vorher im Rhein-Main-Gebiet verwurzelt, oder?
Ja, das stimmt. In Kiel bin ich zwar geboren, aber in der Nähe von Mainz aufgewachsen und spätestens, seitdem ich nach Frankfurt gezogen bin, von der Stadt und der Eintracht total begeistert. Frankfurt lernt man erst richtig kennen und lieben, wenn man hier gewohnt hat. Ich liebe die Stadt und will gerne noch ein bisschen hierbleiben.

War der Wechsel in die erste Frauen-Bundesliga der nächste Schritt für dich, um auch der Nationalmannschaft näher zu kommen?
Sicherlich war das ein entscheidender Faktor. Ich habe alle U-Nationalmannschaften durchlaufen, dementsprechend lange auf diesen Moment hingearbeitet und diesem auch entsprechend entgegengefiebert.

Wie hat es sich schlussendlich angefühlt, im Trikot der deutschen Nationalmannschaft aufzulaufen?
Das war super aufregend. Aber schlussendlich war es auch nur ein Fußballspiel. Die Aufregung war beim Warmmachen und vor der Einwechslung am größten. Aber so richtig realisiert habe ich es erst im Nachhinein.

Wohin kann es in dieser Saison für die Eintracht gehen?
Wir waren vor zwei Jahren ein sehr junges Team, sind über die Zeit gereift und zusammengewachsen, was auch nach außen hin spürbar ist. Wir wollen natürlich so oft wie möglich gewinnen. Aber wir schauen von Spiel zu Spiel und sehen dann, wohin die Reise geht.

Laura, vielen Dank für das Interview und gutes Gelingen für die neue Saison!

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