08.06.2021
2. Frauen-Bundesliga

Hinrunden-Kapitänin mit dem rettenden Schuss

Mit ihrem Tor schoss sie die Zweitliga-Frauen zum Klassenerhalt, als Kapitänin führte sie ihr Team zu so manchem wichtigen Punkt in der vergangenen Saison: Mittelfeldspielerin Mai Hirata.

Es war die 86. Spielminute des 18. Spieltages, als die Zweitliga-Frauen fast schon in der Relegation waren. Während die Hoffenheimerinnen in Würzburg zeitgleich ihre Führung ausbauten, schien der Ball nach dem 1:1-Ausgleichstreffers durch den FC Bayern München II im Riederwaldstadion einfach nicht hinter die Linie zu wollen. Bis zur 86. Minute. Denn da eroberte Mai Hirata im Strafraum den Ball, fasste sich ein Herz und dribbelte einfach mutig auf die Torhüterin zu – und an ihr vorbei. Sekunden später war die Torschützin inmitten der Jubeltraube aus Spielerinnen, Ersatzbank und Trainerteam schon gar nicht mehr zu sehen.

 „Ich bin glücklich, dass ich das entscheidende Tor gemacht habe, aber noch viel mehr, dass wir nächstes Jahr weiter in der 2. Liga spielen“, zeigte sich die Siegtorschützin kurz nach Abpfiff erleichtert über das Ende einer Saison, die für die Adlerträgerinnen denkbar spannend war. Mit drei Niederlagen und einem Unentschieden startete das Team in die Rückrunde, musste zwei Wochen in Mannschaftsquarantäne und beförderte sich vor allem durch ein 1:2 gegen den FC Würzburger Kickers in den Abstiegskampf. Und doch bewiesen die Adlerträgerinnen im Schlussspurt Moral, erkämpften sich vier Siege am Stück und zeigten, was vielleicht nicht jeder der jungen Mannschaft zugetraut hätte, woran man aber selbst immer fest geglaubt habe, sagt Hirata.

Mit der Kapitänsbinde selbst gewachsen

„Wir hatten immer mal wieder Pech und haben wichtige Punkte liegen lassen, aber wir haben als Team bis zum Schluss gekämpft“, blickt die Japanerin auf die vergangenen Monate zurück, in denen sie das Team während der Verletzung von Caroline Krawczyk als Kapitänin auf den Platz geführt hat. Eine besondere Erfahrung, wie Hirata erzählt. „Die Kapitänsbinde zu tragen war etwas ganz Besonderes und eine tolle Erfahrung für mich. Ich musste lernen, auf dem Platz viele kurze Kommandos zu geben, aber natürlich auch gut zu spielen, um den anderen ein Vorbild zu sein.“ Gerade als eine der älteren Spielerinnen in der U20 sehe sie ihre Rolle darin, den jüngeren Spielerinnen mit ihrer Erfahrung Tipps und auf dem Platz Sicherheit zu geben.

U16-Asien-Meisterin und japanische U-Nationalspielerin

Erfahrung hat die 22-Jährige nämlich schon einige gesammelt, allerdings nicht nur bei der Eintracht, sondern auch rund 9000 Kilometer entfernt von Frankfurt in ihrem Heimatland Japan. Dort begann Hirata mit fünf Jahren beim japanischen Fußballverein OTA football Club zu spielen, bevor sie mit 13 Jahren zu JFA academy Fukushima wechselte und mit der U16 Asien-Meister. Parallel dazu durchlief sie die U13 bis U17 der japanischen Nationalmannschaft. „Mit 16 Jahren war ich dann in einem Trainingslager in Deutschland und beschloss, hier zu spielen“, erinnert sie sich zurück. Und so kam sie, ganz alleine ohne ihre Familie, mit 16 Jahren in die Mainmetropole – was zunächst gar nicht so leicht war.

„Alles fürs Team geben“

 „Es war schon schwer in ein neues Land mit einer ganz anderen Kultur zu kommen“, berichtet sie und ergänzt mit einem Lachen: „Auch die deutsche Sprache ist extrem schwer.“ Dass sie sich durchgebissen hat, verdanke sie auch ihrem Team, das ihr geholfen habe, sich zu integrieren. Und wie gut das geklappt hat, beweist wohl am besten die Kapitänsbinde an ihrem Arm, auch wenn sie diese nun wieder an die von ihrer Verletzung genesene Caroline Krawczyk übergeben hat. Also echte Teamplayerin überwiegte aber auch da die Freude: „Ich hatte vor zwei Jahren auch einen Kreuzbandriss, weshalb ich weiß, wie schwer es ist, zurückzukommen. Deshalb freue ich mich sehr, dass Caro wieder mitspielen kann.“ Und natürlich geht der Blick nun nach Abschluss der Saison 2020/ 2021 und einem guten fünften Tabellenplatz auch schon nach vorne. Denn für sie, so Hirata, gebe es sowieso immer nur ein Ziel: „Immer weiterkämpfen und alles fürs Team geben!“

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