28.05.2021
DFB-Pokal Frauen

Der Reiz des Pokals

Wir haben ehemalige Frankfurter Pokalsiegerinnen gefragt, was für sie den Reiz des Pokalwettbewerbs ausmacht und haben höchst unterschiedliche Antworten bekommen.

Monika Staab: Ein Finale ist ein nur ein Spiel, in dem es darauf ankommt, die optimale Leistung abzurufen. Es gilt, auf dem Punkt sowohl mental als auch körperlich fit zu sein. Das konnte der 1. FFC Frankfurt meist hervorragend umsetzen. Er konnte sich sehr gut auf ein Spiel fokussieren und den Pokal zwischen 1999 und 2003 letztendlich fünfmal hintereinander gewinnen. Jedes Jahr nach Berlin zum Pokalendspiel zu fahren, um diese tolle Stadt zu genießen, war ein wirklich besonderes Ereignis. Vor allem die vielen Zuschauer im Stadion, die uns zuschauten und anfeuerten. Es war immer eine tolle Werbung für den Frauenfußball. Das Ganze drum herum war etwas Einmaliges und Besonderes.

Monika Staab gewann zwischen 1999 und 2003 fünf Mal den DFB-Pokal.

Nia Künzer: Die Chance - egal ob Favorit oder Außenseiter -, mit einem Spiel vor großem Fernsehpublikum einen großen Titel zu gewinnen, macht den Reiz aus. Unabhängig von Sieg oder Niederlage ist ein Finale ein unvergessliches Gemeinschaftserlebnis und ein Highlight in einer Fußballkarriere. Ein wunderbares Stadion, ein perfekter Rasen, die Nationalhymne, Siegerehrung, Fans und Freunde machen es besonders. 

Nia Künzer gewann sieben der neun FFC-Pokale mit.

Pia Wunderlich: Das war ein absolutes Highlight. Wir wussten: Wir fahren nach Berlin, dürfen in einem so großen Stadion und vor deutlich mehr Zuschauern als in der Liga spielen. Das war immer etwas ganz Besonderes. In dem Moment ist es einfach Freude pur. Dem Gefühl, dass sich die Arbeit der ganzen Saison gelohnt hat oder wir unser gemeinsames Ziel erreicht haben. Es war oftmals auch das Ende der Saison, weil die Meisterschaft schon vorher abgeschlossen war. Zu dem Zeitpunkt hieß es also nur noch: gewinnen und Feiern – Saison beendet.

Tina Wunderlich: Der DFB-Pokal hatte im Frauenfußball schon immer einen hohen Stellenwert. Wir waren plötzlich viel mehr in den Medien und wurden, zumindest rund um das Finale, ganz anders wahrgenommen. Damals gab es im Fernsehen hauptsächlich den DFB-Pokal und das Highlight-Spiel Frankfurt gegen Potsdam – aber dann nur auf den dritten Programmen. Deshalb war der DFB-Pokal für uns der Höhepunkt schlechthin.

Die Schwestern Tina (l.) und Pia (r.) gewannen gemeinsam zwischen 1999 und 2008 sieben DFB-Pokale.

Louise Hansen: Ein Pokalfinale hat seine eigenen Gesetze. Wer gewinnt, ist tagesformabhängig und daher ist auch immer alles möglich. Der Außenseiter kann den vermeintlichen Favoriten schlagen. Das macht dieses Spiel natürlich zu einem besonderen Ereignis und ist ein Höhepunkt mit toller Stimmung, sowohl für die Spielerinnen als auch für die Zuschauer und Zuschauerinnen.

Die dänische Mittelfeldspielerin Louise Hansen gewann fünf DFB-Pokalfinals.

Renate Lingor: Der Pokalwettbewerb an sich hat schon einen großen Reiz. Nur ein Ausrutscher und man ist draußen. Man muss an dem Tag, egal ob im Finale oder in den Runden davor, 100 Prozent fokussiert sein, das ist entscheidend. Aber klar: Ein Endspiel zu spielen, ist immer etwas Schönes, auch wenn der FFC mit neun Siegen natürlich pokalverwöhnt war. Die Meisterschaft zu gewinnen, ist immer toll, aber beim Pokal muss das Team auf den Punkt liefern und kann eine Niederlage nicht ausbessern. Ich hatte leider nie das Erlebnis, in Köln zu spielen. Die Zuschauer und Zuschauerinnen wollen nur dich sehen, feuern dich an. Für die heutigen Spielerinnen ist das etwas Besonderes. In Berlin stand das Interesse der Männer im Fokus, obwohl wir auch guten Fußball gespielt haben. In Köln kommen die Zuschauer und Zuschauerinneninnen nur, um die Teams anzufeuern, die Spielerinnen und ein gutes Spiel zu sehen. Schade, dass auch in diesem Jahr keine Fans dabei sei können, es kein Fanfest geben wird – aber: Nichtsdestotrotz ist es für jede Spielerin etwas Besonderes, ein Finale zu spielen. Etwas Besonderes war das Finale 2006, als auch die Eintracht-Männer in Berlin gespielt haben. Nicht immer waren viele Zuschauer bei den Frauen-Endspielen da, aber 2006 haben viele Eintracht-Fans schon vorher den FFC angefeuert, weil wir aus derselben Stadt kamen. Auch wenn es natürlich schade war, dass sowohl der FFC gegen Potsdam als auch die Eintracht gegen Bayern verloren hat.

Die siebenfache Pokalsiegerin Renate Lingor mit dem Elfmeter im Finale 2007 zur 1:0-Führung.

Kerstin Garefrekes: Jeder Titel hat eine eigene Geschichte und ist daher grundsätzlich nicht miteinander vergleichbar. Zudem ist der Pokalwettbewerb auf der einen Seite zwar der kürzeste Weg zu einem Titel, aber auf der anderen Seite auch mit dem K.o.-System ein sehr spannender und insbesondere mental herausfordernder Wettbewerb, bei dem auf den Punkt genau Leistung abgerufen und auf unterschiedlichste Situationen flexibel reagiert werden muss. Beispielsweise erinnere ich mich an Endspiele, in denen sommerlich heiße Temperaturen herrschten oder aber auch Gewitter mit starken Regenschauern. Besonders spannend war für mich sicherlich das Finale 2007 in Berlin, als wir nach Elfmeterschießen den Titel nach Frankfurt holen konnten. Die aufregendste Partynacht gab es dann 2014 in Köln, als eine ehemalige Mitspielerin von mir, die zu dem Zeitpunkt jedoch zur gegnerischen Mannschaft gehörte, den Pokal kurzzeitig in eine andere Location entführt hat. Und noch eine kleine Anekdote aus dem Jahr 2006. Damals konnten wir zwar das Finale leider nicht gewinnen, aber die Fans von Eintracht Frankfurt, die vor dem Spiel gegen Bayern München bereits zahlreich im Olympiastadion waren, haben uns dermaßen lautstark unterstützt, als hätten wir zu dem Zeitpunkt bereits zur Eintracht-Familie gehört. Unvergesslich!

Kerstin Garefrekes führte den FFC als Kapitänin zum Pokalsieg 2014.

Silke Rottenberg: Jedes Finale ist für eine Spielerin etwas Besonderes, gerade weil man einige Hürden in den Runden davor genommen hat, denn Finalteilnahmen sind keine Selbstläufer. Das DFB-Pokalfinale ist der Höhepunkt einer Saison, oftmals die Krönung. Man weiß, man gehört zu den Besten, spielt in einem Riesenstadion und bekommt viel Aufmerksamkeit. Dafür lohnt es sich zu arbeiten. Ich gehöre zu der Generation, die noch im Berliner Olympiastadion die Finalpartien gespielt hat. Einzulaufen, auch die Nationalhymne bei solch einem Finale zu hören, macht eine besondere Atmosphäre aus. Bei diesen Gedanken bekomme ich auch jetzt noch Gänsehaut. Und das nach so einer langen Zeit.

Stand beim Pokaltriumph 2008 im Kasten: Silke Rottenberg.

Saskia Bartusiak: Der Reiz eines Pokalfinals ist wahnsinnig hoch. Es ist einfach immer etwas sehr Besonderes und in meinen Augen ein sehr attraktiver Wettbewerb. Für mich war es immer eine sehr große Motivation, am Ende einer Saison damals noch im Berliner Olympiastadion oder später dann in Köln spielen zu dürfen. Wenn es dann soweit ist, wächst die Vorfreude schon Tage vorher. Die mediale Aufmerksamkeit, das Zuschauerinteresse ist viel höher, als bei einem „normalen“ Bundesligaspiel. All das macht es zu einem absoluten Highlight und wenn man es einmal ins Pokalfinale geschafft hat und das alles erleben durfte, will man es immer wieder schaffen!

Verteidigerin Saskia Bartusiak (l) durfte vier Mal den Pokal in den Himmel strecken.

Desirée Schumann: Ein DFB-Pokalfinale zu spielen, ist immer etwas ganz Besonderes. Man hat die Möglichkeit, sich mit dem Team auf einer großen Bühne zu präsentieren und auch, wenn in diesem Jahr leider keine Zuschauer im Stadion sein werden, werden dennoch Millionen Menschen das Spiel vor den Bildschirmen verfolgen. Dass die Eintracht Frauen in ihrem ersten Jahr mit dem Adler auf der Brust das Endspiel erreicht haben, ist eine großartige Leistung.

Nach zwei verlorenen Pokalfinals folgte 2014 der Titel für Torfrau Desirée Schumann.
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